Songs, so gut, als wären sie in Stein eingemeißelt. Der Sänger, Gitarrist und Songwriter Mick Flannery hätte guten Grund, mit solch einem Bonmot hausieren zu gehen, zumal der 29-jährige Ire von Haus aus tatsächlich Steinmetz ist. Der handwerklich derart beschlagene Musiker ist jedoch eher bescheiden und hängt nur ungern irgendetwas an die große Glocke. Nichtsdestotrotz dürfte es ihn angenehm berührt haben, als er in diesem Frühjahr mit „Red To Blue“, seinem nunmehr dritten Album, die Pop-Queen Madonna von ihrem Chart-Thron verdrängte und die Spitze der irischen Charts im Handstreich eroberte und kurz darauf mit Platin ausgezeichnet wurde. Das hat dem in seiner Heimat populären Songschmied, der seine Kompositionen in der Tradition klassischer Ikonen der Songkunst wie Bob Dylan und Leonard Cohen, Tom Waits und Neil Young anzusiedeln weiß, viele stolze Schlagzeilen eingebracht. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, Irlands neue Wunderwaffe gehobener Songkunst auch in anderen Ländern zu stationieren – auch wenn man in Kauf nehmen muss, dass bei seinen poetisch-melancholischen Liedern viel Herzblut fließen wird.
Die Songs von Mick Flannery klingen erstaunlich reif und tief melodisch. A poet in full effect. Die Songtexte sprechen für ein großes Einfühlungsvermögen, denn natürlich sind all die beißenden Zeilen über Einsamkeit und Liebesentzug, Kummer und Eifersucht nicht zwingend autobiographisch. Mick Flannery ist aber nicht nur ein guter Beobachter, sondern bei aller Zurückgenommenheit auch ein äußerst humorvoller Entertainer. Seine lakonischen Ansagen und Kommentare sorgen bei den Konzerten mancherorts ebenso für Verzückung wie seine emotional aufwühlenden Songs. Der Musiker, der auch leidenschaftlich gerne Poker spielt, verfügt dabei über eine soulbenetzte Folkstimme, die im sonoren Timbre eher an Otis Redding als an Tom Waits erinnert. „Gone Forever“, die erste Single des Albums, verströmt das rauchige Americana-Aroma eines John Fogerty, und eröffnet das zwölf Songs umfassende Wunderwerk „Red To Blue“.


