20.03.2014 TIERE STREICHELN MENSCHEN (D)

20.03.2014 TIERE STREICHELN MENSCHEN (D)

Magdeburg (Moritzhof), 20.03.2014
Bilder: Wenzel Oschington (http://www.irgendwo-nirgendwo.de)

Eintrag: Henning Lühr

Liebes Tagebuch,

dieser Abend hat es einem mal wieder schmerzlich bewusst gemacht, was einem größeren Publikum dank des Diktats des Mainstream-Humors all zu oft und schnell vorenthalten bleibt. Wie wohl auch sonst üblich hat Gotti gelesen und Zvenny „das singende Erotikum“ hat zwischen den Texten gesungen und damit haben sie, so unterstelle ich mal, allen Anwesenden einen kurzweiligen Abend verschafft. Zumindest dann, wenn man auch gelegentlich derben Humor unter der Gürtellinie goutiert oder seine Definition von Niveau und die Moral-Grenze für die „Actionlesung“ der beiden etwas flexibler handhabt. Ein toller Mix aus absurdem, urkomischem aber auch bösartigem Humor. Genauso ein wenig bekloppt wie auch latent melancholisch. Eine Gratwanderung zwischen Witz und Peinlichkeit, wohlwissend das Risiko eingehend, dass der eine oder andere Spaß auf halber Strecke verreckt. Das ist auch an diesem Abend im Moritzhof passiert. Aber sympathisch war es, wie selbstironisch die beiden damit umgingen und auch mal selbst feststellten, dass sie „drüber“ waren.

Zu Sven Rathke alias Sven van Thom gestatte mir, liebes Tagebuch, noch die Anmerkung, dass der längst mehr ist als nur Gottis musikalischer Sidekick. Dessen Vita fällt mit Sofaplanet (Gitarrist), Beatplanet (Sänger) und mittlerweile zwei Soloalben recht beeindruckend aus. Rathke selbst bezeichnet seine Musik ja als „das uneheliche Kind von Indie und Schlager“. Das kann man guten Gewissens so stehen lassen. Die 60s des Beatplaneten-Universums sind bei seinem Solo-Programm zwar in den Hintergrund getreten und werden heuer durch naive Elektrospielerein und – sagen wir mal – Rap Einlagen ersetzt, sein musikalischer Vortrag ist aber – wie auch an diesem Abend – spannend und abwechslungsreich, mal aberwitzig oder sarkastisch, mal melancholisch oder auch unkorrekt („Hose“, „Dein Kind ist hässlich“).

Zum Abschluss des Abends schoss Gotti noch seine lieb gewonnenen Flohmarkt-Dias und deren Interpretation mittels Bildunterschriften aus der Hüfte. Diese dienen ihm im Übrigen als tägliche Informationsquelle, weil seine teure Prenzlauer Berg Wohnung so klein ist, dass er noch nicht mal eine Tageszeitung ganz aufschlagen kann.

Zusammen waren die beiden großes Kino, liebenswert und sympathisch. Gerne wieder.

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Eintrag: Peter Hofmann

Mir tut das Zwerchfell weh. Und das scheint schlecht zu heilen. Immer wieder, wenn sich Sätze, Liedfetzen und Dias aus dem Alltagsbrei im Kopf auf. Wieder Lachen.
Nochmals anders als auf der Actionslesung. Wäre ich Humorökologe, würde ich näselnd „nachhaltig“ sagen. Bio-Humor, der einen verseucht, der sich ablagert und immer wieder Strahlung abgibt, der sich nicht umweltfreundlich abbaut. Um Missverständnisse zu vermeiden, umweltschädlich ist.
Tiere streicheln Menschen“ keinesfalls. Ich glaube fest, dass meine Umwelt mit den Lachsalven, die ich heute noch unvermittelt abfeuere, leben kann. Ja sie muss es. Zeitmaschinen, die aussehen wie Kleinstadtjeansläden, Prenzlauer Berge vor der Gentrifizierung Spontan-Exhibitionisten stehen am Büro-Kopierer … und verteilen Abzüge. Ich werde keine Pointe verraten. Weder die mit dem Hai, noch die mit der dem Stück Bockwurst und die mit dem offenen Gullydeckel schon gar nicht. Warum? Mir tut mein Zwerchfell weh.

Tiere streicheln Menschen“ sind am 27.05. wieder im Moritzhof. Hingehen!

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