02.04.2013 HAUSKONZERT INKOGNITO (D)

02.04.2013 HAUSKONZERT INKOGNITO (D)

Bilder: Engelbert Dudek
Eintrag: Katharina Henze

Follow me just follow me: „Lapsus“ aus Magdeburg
Magdeburg (Hauskonzert Inkognito), 02.04.2013

Liebes Songtagebuch,

ein Wohnzimmer, eine Band, ein Publikum: Drei Komponenten, die zusammengenommen die Rezeptur für ein Hauskonzert sind. Ausgehend vom Begriff erschloss sich mir bereits, was mich erwarten sollte. Ich hatte mich um eine Karte für das „Hauskonzert Inkognito“ beworben und gehörte zu den Glücklichen, die heute Abend in den Genuss kommen konnten. Da ich noch nie zuvor auf einem Konzert dieser besonderen Art zu Gast war, stieg die Vorfreude ins Unermessliche.
Das Haus aus den 30ern mit flaschengrünen Fensterlädchen ist es also. Mein Blick fällt zuallererst auf das in rotes Licht getauchte Wohnzimmer. Den Kronleuchter kann ich gerade noch erkennen, als ich die „Dienstmädchen“ des herrschaftlichen Haushaltes wahrnehme. Mit Häubchen und gebügelten Schürzen aus vergangenen Zeiten begrüßen sie uns mit einem Schnaps: „Herzlich Willkommen! Schön, dass du da bist!“.
Ich betrete das Haus und spüre die gemütliche Atmosphäre mit jedem Schritt mehr. Im Wohnzimmer eröffnet sich mir eine Szenerie aus Konzertbühne und Salon. Das musikalische Ensemble thront direkt vor dem Kamin auf einem handgeknüpften Teppich, dahinter ein Ölbild an der Wand. Schlagzeug, Bass, Gitarre und Akkordeon präsentieren sich im Glanz des Kronleuchters. Die Herrlichkeit der Lichter wird allerdings von einem anderen Glitzer übertrumpft. Es ist die Patronin selbst, Nadja Gröschner, die mit einem Strahlen im Gesicht alles in den Schatten zu stellen scheint. Sie ist entzückt über das Ambiente ihres Wohnzimmers und heißt uns noch einmal herzlich Willkommen. Frenetischer Applaus, klirrende Sektgläser, Geflüster auf dem Flur.
Der Moment ist gekommen, die Band erscheint auf der Bühne: Das Quartett Labskaus aus Magdeburg. Seit den letzten drei Stunden bliebe der Name nun konstant, so die Band. Ich spüre sofort, diese vier Herren aus der Elbstadt haben Lust auf gemeinsame Mucke. Der Takt wird angegeben und es geht los: Herbie Hancock „Cantaloupe Island“. Ich kann mich nicht mehr auf dem Sofa halten, denn ich liebe diesen Funk aus den 60ern. Einzigartig: Bernd Schweidler an der Gitarre, Jens Krömer am Bass, Lorenz Wühler am Schlagzeug und Mathias Deliano am Akkordeon. Danke Lapsus für diesen wunderbaren musikalischen Einstieg! Nicht nur ich liebe es, wir alle lassen uns von den Melodien der Funky-Spielweise mitreißen. Die Songliste scheint mit mir abgesprochen zu sein. Jedes Lied ist ein wahrer Hochgenuss: „I Will Survive“. Ich bin der Annahme, nur Gloria Gaynor kann diesem Disco-Hit einzig allein Leben einhauchen, aber da liege ich falsch! Mir gefällt es sehr, wie die authentischen Herren von Lapsus auf ganz eigene Weise die Songs musikalisch interpretieren. Es ist Musik pur, die sich uns allen in diesem Refugium aus alten Möbeln, Teppichen und Ledersofas bietet. Was Mathias Deliano am Akkordeon macht, ist für mich persönlich die Attraktion der instrumentalen Darbietung. In jeder Melodie unterstreicht das Instrument die intime Atmosphäre des Abends. Er kann nicht nur ein Handzugsinstrument bedienen, Mathias ist auch ein Fachmann für tibetanische Klangringe, was er uns zugleich künstlerisch darbietet. Dann stimmt Lorenz Wühler einen Song der Disco-Queen Amanda Lear an: „Follow me“. Unter den Sound der Grandame mischt er warme Klänge, die den Song einmal anders erscheinen lassen, als wir ihn alle kennen. „Follow me“: Und dann ist da dieser magische Moment. Lorenz scheint einen Menschen zu suchen in jenem Moment, der genauso denkt und fühlt. Sein Blick sucht die Patronin des Hauses. Diese lässt sich im Rhythmus der Melodie treiben und hat den Glanz von vor einer Stunde noch immer in ihren Augen. Mit diesem Gefühl im Herzen verlasse ich das Hauskonzert. Wundervoller konnte dieser Abend nicht werden!

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