13.03.2013 ULLA MEINECKE BAND (D)

13.03.2013 ULLA MEINECKE BAND (D)

Bilder: Thomas Hohlbein
Eintrag: Jan Kubon

Erinnerungen, Neustart und Geheimnisse
Magdeburg (Feuerwache), 13.03.2013

Es ist bitter kalt in Magdeburg, die Sonne scheint und ich mach mich auf den Weg in die Feuerwache. Vorfreude, Aufregung und eine kleine Prise Nervosität versetzen mich in einen angenehm rauschhaften Zustand, denn Ulla Meinecke, die Tänzerin im Sturm, die Grand Dame des deutschen Pop hat sich für die Eröffnung der 8. Magdeburger Songtage angekündigt und das Haus bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Ein guter Auftakt, denk ich mir. So kann es weitergehen. Doch bevor Ulla Meinecke uns mitnimmt nach New York, uns von der Lächerlichkeit des Jugendwahns überzeugt und über den Zauber der Diskretion aufklärt, habe ich heute noch eine andere Aufgabe zu erfüllen: Es gilt, mit einigen „schmissigen“ Worten, gekonnt gesetzten Zitaten und charmanten (aber niemals anbiedernden) Lobpreisungen die Ausstellung „Rückblicke“ zu eröffnen. Engelbert Dudek (der quasi Haus- und Hof-Chronist der Songtage) zeigt vierzig Fotografien, die er bei Konzerten der Songtage Nummer 6 und 7 aufgenommen hat. Und da kommt schon Wehmut auf, und Stolz natürlich. Was haben wir schon alles veranstaltet? Friedhofskapellen, Schankwirtschaften, Abfüllanlagenhallen, Festungen, Straßenbahndepots, Funkhäuser – fast scheint es, als gäbe es keinen Ort in Magdeburg mehr, den wir nicht schon zur Festivalbühne gemacht haben. Aber das ist natürlich nur ein erster Eindruck, ein flüchtiger und ein ungenauer dazu. Der entsteht aber fast unweigerlich, wenn man diese feinen Künstler auf den Fotos sieht, wie sie sich in all diesen tollen Locations ganz ihrer Kunst hingeben. Und fast ist es, als fange die Musik im Kopf wieder an, als erlebe man all diese wunderbaren Momente noch einmal. Eine ganz fantastische Art der Genussverlängerung ist diese Ausstellung und ein guter Reinbringer in die neue Saison dazu.

Ich betrete den Saal der Feuerwache, der traditionsreichen Spielstätte in Sudenburg, den Geburtsort unseres Festivals. Vom Hellen des Tageslichtes rein in den schon abgedunkelten Saal. Und dann steht sie vor mir – Ulla Meinecke.
Charmant dirigiert sie ihre Musiker auf der Bühne beim Soundcheck, es wird viel gelacht, alles ist entspannt – Profis halt! Aber Profis von der guten Sorte. Nicht solche von diesen Mugge runterreißenden, immer wieder die alten halbgaren Hits spielenden, sich dem Älterwerden verweigernden Provinzhoschis. Nein hier sind drei Künstler unterwegs (für die ganz Korrekten: zwei Künstler und eine Künstlerin), die zwar schon lange im Geschäft sind und sicher auch schon alles erlebt haben, die aber das Gefühl und das auch glaubhaft und bar jeder Affektiertheiten vermitteln, dass sie ihrem Publikum wirklich nur das Beste von ihrer Kunst bieten wollen.

Es ist kurz vor Acht. Einige kurze Absprachen mit der Künstlerin, dann die Eröffnungsrede (Kuratorenpflicht! – aber eine angenehme!) und dann betritt die Meinecke mit ihren beiden Kollegen die Bühne und alles ist und alle sind verzaubert. Ulla Meinecke wird die Songtage mit einem großartigen Konzert eröffnen. Das ist schon nach den ersten beiden Titeln klar. „Marlene An Der Wand“ ist eines der ersten Highlights (Wie steigert man eigentlich einen Superlativ?), vor „Your so vain“ lobt sie dann den Zauber der Diskretion.

Überhaupt sind die Überleitungen zwischen den Songs ganz zauberhaft. Nie gleitet sie in Stereotypen der Unterhaltungsindustrie ab. (Geht es Euch gut! – „Natürlich“ muss die Antwort auf die glücklicherweise nie gestellte Frage lauten.) Jedes Wort ist gesetzt, ist pointiert und berührt. Wie zum Beispiel die Überleitung zu „Da kommt ein Tag/Vienna“, in der sie so geradlinig und so messerscharf auf die „Wa(h)re“ Gefühl im Zirkus der Castingshows hinweist.

Überhaupt lässt das Konzert bei dem Publikum keine Wünsche offen. Ausdauernd, gekonnt, facettenreich, souverän (musikalisch brillant sowieso) spielen sich die drei durch ihre Setlist. Die hatte die Meinecke auf zwei übergroße Blätter geschrieben, die auf dem Bühnenboden lagen (am Ende des Abends nahm eine begeisterte Zuschauerin diese dann sogar als Souvenir mit nach Hause). Und ich?- Ich bin heute früh aufgewacht, krieg‘ seitdem die „Marlene“ nicht mehr aus dem Kopf, leg‘ mir einfach nochmal „Der Stolz italienischer Frauen“ auf und freu‘ mich auf die nächsten Konzerte unseres Festivals.

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