15.03.2013 DREAM CATCHER (L)

15.03.2013 DREAM CATCHER (L)

Bilder: Thomas Hohlbein & Jan Kubon
Eintrag: Axel Fichtmüller

Pur und unverfälscht
Magdeburg (39108 Weinhandlung & Bistro), 15.03.2013

Liebes Songtagebuch,
heute Abend habe ich Dream Catcher aus Luxemburg in der Weinhandlung in der Arndstraße gesehen. Der Auftritt hat mir gut gefallen. Tschüss, liebes Tagebuch!

Nun, das wäre ja ziemlich dreist hier einfach auszusteigen und alle Nicht-Besucher im Dunkeln tappen zu lassen. Dreist passt im Übrigen auch ziemlich gut auf dieses energetische Trio. Lausbübisch, vorlaut, unverfroren und keck – kurzum eine Band, die man einfach sympathisch finden muss (Ich weiß, das steht auch im Ankündigungstext, aber es stimmt einfach). Eine Tatsache, welche das unterstreicht ist der Fakt, dass Dream Catcher in ihrem Heimatland eine echte Größe sind und Konzerte mit mehreren Tausend Zuschauern für sich verbuchen können. Wer an diesem Abend die Arndstraße entlang läuft und kurz durch das große Fenster nach drinnen schaut, der vermutet wohl allerhöchstens eine private Feierlichkeit mit einer Unterhaltungskombo aus der Region. Nicht zu Unrecht, denn es fühlt sich alles schon sehr privat und heimelig an. Was aber Sir John Rech, Christof Brill und Wolfgang Wehner auf der kleinen Bühne veranstalten hat durchweg Stadion-Qualität. Fern jeglicher Starallüren und Ermüdungserscheinungen fällt das Trio Infernale mit viel Spielfreude, Ehrlichkeit, Herzlichkeit und Charisma über das Publikum her und hat uns alle von der ersten Sekunde fest in der Hand.

John Rech ist ein Entertainer wie er im Bilderbuche steht, aber eben ohne diese alberne Volksbelustigungs-Attitüde, sondern ehrlich albern: „Ich habe noch nie mit so vielen Flaschen auf einer Bühne gestanden.“ Ein kurzer Fingerzeig auf das Weinregal hinter ihm. Großes Gelächter. Super!

Dann ist da ja noch die Musik und die ist grandios. Die Songs klingen schon sehr nach Irish Folk – insbesondere durch das zauberhafte Spiel von Wolfgang Weiner an der Violine. Keine blankpolierte David Gerrit-Schrammelkiste, sondern eine sehr extrovertierte Diva mit warmem, ein bisschen schmunzelndem Charakter. Aber es ist noch viel viel mehr als das. Der Wechsel zwischen kraftvollen Folk-Songs, gefühlvollen Chanson-Balladen und kleinen musikalischen Perlen direkt aus dem Leben ist der Grund, warum dieser Auftritt so großartig ist. Was Christof Brill der Gitarre entlockt hat so viele Facetten, die sich fugenlos mit dem Gesang von Sir Rech verbinden und klangvoll auf den Melodien der Violine Weiners schweben. Pur und unverfälscht.

Das traurige an solchen Abenden ist, dass sie gefühlt immer ein viel zu frühes Ende nehmen. Es gibt Zugaben, klar. Aber es hätte einfach immer weiter andauern können. Mit dem letzten frenetischen Applaus, dem letzten charismatischen Abschiedsgruß und ganz vielen glitzernden Augen entlassen Dream Catcher uns in die Nacht – mit vielen schönen Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen.

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